Mit dem Plan in den Untergang


3.9.2019

Heute beschloss die Große Koalition verschiedene Maßnahmen zu mehr Tierwohl und Insektenschutz ...
Da fragt man sich ernsthaft: Will Berlin die deutsche Landwirtschaft entsorgen und die Versorgungssicherheit Deutschlands demontieren? Oder sind Svenja Schulze und Julia Glöckner einfach nur unfähig?



Schon zu Anfang faselt Frau Schulze über Pestizide und was "wir" darüber doch alles wissen, wie die "gravierenden Auswirkungen auf Insekten und biologische Vielfalt".
Nun, Pestizide hab ich für meinen Teil in der Sachkundeprüfung für Pflanzenschutz nicht behandelt, schon weil der Begriff ansich schon fehlerträchtig ist.
Insektizide, Fungizide, Herbizide wurden im Wesentlichen behandelt, wobei erstere natürlich die Insekten reduzieren sollen!

Auf Feld Wald und Wiesen tummeln sich Insekten und nicht alle sammeln friedlich Pollen um Waben zu füllen, viele davon sind sogar ausgesprochen gefräßig und bedrohen bei entsprechender Populationsdichte die Ernte.
Prominentes Beispiel ist der Kartoffelkäfer, Maiszünsler oder im Weinbau die Obstbaumspinnmilbe, Dickmaulrüssler, Zigarrenmacher, Rhombenspanner, Springwurm usw. usw.. Im Weinbau haben wir diese Insekten durch biologische Maßnahmen weitgehend im Griff, im Ackerbau sieht das ganz anders aus.
Hinzu kommt, dass sich durch klimatische Veränderungen und den Globalen Warenverkehr immer wieder Schädlinge in unseren Kulturen etablieren, die über weite Strecken eingeschleppt werden, hier heimisch werden und keine biologischen Gegenspieler haben um deren Bestand klein zu halten. Diese vermehren sich dann sprunghaft, verdrängen heimische Arten und bedrohen Pflanzenbestände.

Der Asiatische Marienkäfer oder der Buchsbaumzünsler wären solche Arten, aber auch eher weniger prominente treiben zunehmend ihr Unwesen in Summe unzählig und ständig werden es mehr.
Ohne den Eingriff durch gezielte (!) Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bedrohen solche Schädlinge die Ernte.

Nun fallen unter die Bezeichnung "Pestizid" aber eben nicht nur Insektizide, die die Landwirtschaft im Allgemeinen braucht, sondern auch Fungizide und Herbizide.

Fungizide sind zur Behandlung von Pilzkrankheiten.
Unter Pilz versteht der Normalbürger meist die schönen Kappen, die im Wald stehen und so schön aussehen oder die schmackhaften Champignons oder Pfifferlinge. Doch sind Pilze sehr vielfältig und anpassungsfähig. Der Schimmel auf dem Brot ist ein Pilz ... sollte man nicht essen, sollte jeder wissen ... manche Pilze wachsen in lebendes Pflanzengewebe ein, parasitieren Pflanzen und lassen sie sterben, andere wachsen auf der Oberfläche von Pflanzen und schädigen diese dadurch, es gibt auch nützliche Pilze, wie auf dem Käse der Weißschimmel oder manche leben in Symbiose mit bestimmten Pflanzen. Manche sind bei Verzehr ausgesprochen gefährlich, beispielhaft hier das Mutterkorn, dessen Verzehr tödlich enden kann. Die Familie der Pilze ist sehr breit.
Diejenigen die die Kulturpflanzen bedrohen zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen ist teil der Arbeit in der Landwirtschaft.

Ohne gezielten (!) Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bedrohen diese Schadpilze die Ernte oder können gar zu Gesundheitsschäden führen.

Herbizide dienen dazu Pflanzen absterben zu lassen, bekanntes Beispiel wäre hier Glyphosat. Es dringt in die Pflanze ein, störte den Stoffwechsel und lässt so die Pflanze verenden. Doch wozu soll man Pflanzen töten? Manche Pflanzen haben eine sehr hohe Vermehrungsrate, ihre Samen werden mit dem Wind über weite Strecken befördert und sie keimen schnell und wachsen auch schnell auf. Die Kuhblume z.B. oder der Amaranth oder die Diestel. Durch diese Eigenschaften können sie die angepflanzte Kultur überwachsen, sie treten direkt in Konkurrenz mit der Nutzpflanze um Wasser, Nährstoffe und Licht manche Pflanzen enthalten auch Gifte, die wenn sie mit geerntet werden gesundheitsschädlich sein können. Daher muss der Feldrand oder in Sonderkulturen die Pflanzreihe weitgehend bewuchsfrei oder kurz gehalten werden, da dies Eintrittspforten in die Bestände sind.

Kann man die Herbizidanwendung entfallen lassen?
Das kann man durchaus, es ändert aber nichts daran das diese Einfallstore geschlossen sein müssen wenn der Landwirt hochwertiges Nahrungs- oder Genussmittel produzieren will.

In der Konsequenz müssen die Herbizidanwendungen gegen mechanische Bearbeitungen wie abmähen, umbrechen getauscht werden was ein Vielfaches an Arbeitsgängen und damit Maschineneinsatz, Arbeitsstunden und letztlich Energieverbrauch in Form von Diesel bedeutet. Das diese zusätzlichen Arbeitsgänge letztlich Geld kosten, Geld, das der Weltmarkt an dem die deutsche Landwirtschaft gemessen wir und an dem sie letztlich auch bestehen muss nicht ausgleicht.
Im Gegenteil, die Preise für Nahrungsmittel sind seit Jahren auf niedrigem Niveau konstant, was inflationsbereinigt letztlich eine Abnahme bedeutet.


Ohne gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bedroht der Wildwuchs die Ernte, können gesundheitsschäden verursacht werden und die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft wird vernichtet.

Man kann recht gut den Vergleich zum Menschen ziehen.
Es ist dem Chef letztlich egal wie, Hauptsache der Arbeitnehmer ist gesund am Arbeitsplatz. Ein Arbeitnehmer mit Läusen, Hautpilz, übelriechend und blutend wird an seinem Arbeitsplatz nicht lange geduldet werden.

Ein Chef wird einem Arbeitnehmer es nicht durch gehen lassen mit Läusen zu erscheinen weil er ja "Pazifist" ist und die Tierchen ja nur lästig sind. Ein Arbeiter mit Hautpilz an den Händen wird umgehend zum Arzt geschickt, bevor er die ganze Belegschaft ansteckt.

Doch was tut jemand der von Krankheiten, Parasiten heimgesucht wird?

Er geht zum Arzt zur Diagnose und anschließend in die Apotheke um ein Heilmittel zu kaufen!

Nichts Anderes macht ein Landwirt. Er stellt die Diagnose und besorgt ein Pflanzen-"schutz"-mittel also ein Heilmittel um die Pflanzen vital zu erhalten. Hierzu wurde er ausgebildet, besuchte die Berufsschule, anschließend die Fachschule und legte in seiner Ausbildung verschiedene Prüfungen ab um letztlich seine Sachkunde zu erlangen. Heute muss er zusätzlich in regelmäßigen Intervallen diese Sachkunde erneuern und dies auch belegen.
Der Landwirt führt eine Patientenkartei, auch Schlagkartei genannt, in der er jede Ausbringung bzw. Anwendung dokumentiert, wo, was wie, von wem, warum, alles penibelst aufgezeichnet und geprüft.

Kaum ein Mensch wird auf die Idee kommen eine Chemotherapie ohne Diagnose aus Jux und Dollerei sich einzupfeifen, weil er ja mal Krebs bekommen könnte und weil er ja eh zuviel Geld auf der Kasse hat!

Genau dies unterstellt aber diese Aktion, man wolle mal einfach so die Pestizide um 75% einsparen, einfach mal so nebenbei, weil diese (Hypothese) unnütz ausgebracht wurden.

Was fällt einem da so dazu ein? Was macht das mit einem aktiven Landwirt?



Er denkt sich, frei nach dem Philosophen der Neuzeit: „Was erlauben ... !“
Derzeit ernährt ein Landwirt rund 150 Mitbürger, vor 100 Jahren waren es gerade mal 5 eben dank des Fortschritts in Wissenschaft, Technik und Ausbildung. Der heutige Lebensstandard ist nur möglich weil heute eben nicht mehr jeder Vierte auf dem Acker schuftet und die Lebensmittel an den Gesamtausgaben eines Haushalts gerade mal noch 10% ausmachen.

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