Binden der Reben in Ertragsanlagen


Grundlagen :

Die Rebe ist bekanntlich eine Lianenpflanze, d.h. sie hat das Bestreben an anderen Pflanzen, z.B. Bäumen oder Sträucher empor zu klettern. Daher auch die starke Rankenbildung.
Um nach oben zu gelangen werden immer die obersten und äußersten Triebe am stärksten mit Nährstoffen versorgt, so dass diese am stärksten ausgebildet werden.
Damit nun in der Ertragsanlage die Trauben auf erreichbarem Niveau hängen und der Rebschnitt einen Stamm mit am Kopf ausgehenden Ruten ergibt muss die Rebe gezwungen werden die innersten Triebe stärker zu treiben.
Dies geschieht durch das Biegen der Ruten, wodurch in der Rute ein Saftstau erzeugt wird und der "oberste" Trieb nahe an der Basis liegt.
Durch den Saftstau werden auch die Schnabelruten nicht so stark ausgebildet.



Die Methodik :

Die Rute muss so gebogen werden, dass sie mit leichtem Druck am Drahtrahmen anliegt, und keinen Bauch in die Gasse bildet.
Der leichte Druck ist erforderlich, damit die Rebe vom Drahtrahmen gehalten wird und nicht scheuern kann, wodurch Verletzungen entstehen können, oder bei stärkerem Wind die zarten Triebe abbrechen können.
Die Vermeidung des Bauches ist aufgrund der zunehmenden Mechanisierung im Außenbereich erforderlich, da z.B. beim Laubschnitt die Ruten verletzt oder abgetrennt werden können, was auch Ertragsausfall für den Winzer bedeutet.
Ferner sollte die Bogrebe nicht länger sein als unbedingt nötig. Mehr als ein Auge unter dem unteren Biegedraht sollte nicht gebunden werden, da bei der mechanisierten Traubenlese die daran hängenden "Tieftrauben" oftmals nicht erfasst werden und somit verloren sind.
Auch beim Pflanzenschutz birgt die überlange Rute Probleme, da die unteren Triebe oftmals nicht vom Sprühstrahl des Sprühgerätes erfasst werden, und somit Infektionsherde darstellen. In Zeiten des Produktionszieles "Maximalqualität" ist eine hohe Augen/Triebzahl eh nicht anzustreben. Eine lockere Laubwand, ohne Verdichtungen, begünstigt auch ein langes Verbleiben der Trauben am Stock bei guter Gesundheit und besserer Aromaausbildung, da die Trauben durch die besonnung der Schale abgehärtet und widerstandskräftiger gegen Schädlingsbefall werden. Zudem fördert die Besonnung die Bildung von Aromavorstufen in den Beeren.



Das Bindematerial :

In früherer Zeit wurde ausschließlich mit Weiden gebunden, welche vorher von Bäumen geschnitten wurden.
Bei den Weiden ist darauf zu achten, das diese vor dem Binden nicht austrocknen, da sie dann spröde werden und bei dem Bindevorgang brechen.
Das Binden mit Weiden ist in neuerer Zeit stark zurückgegangen, da die Bindung selbst viel Zeit in Anspruch nimmt und aufgrund des hohen Eigengewichtes nur eine begrenzte Menge Weiden während des Arbeitsganges mitgeführt werden können.
Die Weide ist heute hauptsächlich zur Bindung von Junganlagen in Gebrauch, da die Weide nicht in das noch stark an dicke zunehmende Stämmchen schneidet und so keine Verletzung hinterlässt.
Die Weide ist heutzutage weitestgehend durch moderne Bindemethoden ersetzt worden.

Gebräuchlich sind heutzutage verstärkt Systeme, die mit einem dünnen Draht arbeiten.
Der Draht ist nicht durch Zink oder andere Substanzen konserviert, und zersetzt sich sehr rasch durch Korrosion, so dass er keine Umweltbelastung darstellt.
Bei manchen Systemen wird der Draht mit Bast versehen, da er noch von Hand geführt wird und so ein einschneiden in die Haut des Bindenden verhindert wird. Der Bast ist ein natürliches Produkt, was auch rückstandslos zersetzt wird.
Ein System arbeitet mit einem Haken, welcher an einer Spindel befestigt ist. Wird nun der Haken in den Draht eingehängt und am Griff gezogen, so wird dieser in Drehung versetzt, so dass sich der Draht verwindet und anschließend fest hält.



Dieses System wurde im Belibinder noch weiter verbessert.
Der besagte Belibinder arbeitet im Prinzip nach dem gleichen System, doch ist nun die Drahtzuführung und das "Drillwerk" in eine handliche Zange integriert.
Dadurch hat nun der Arbeiter eine Hand frei, mit welcher er die Rebe in Position bringen kann. Aufgrund dieses Systems kann eine erhebliche Zeitersparnis erreicht werden.



Der Stamm des Rebstocks :

Der Stamm des Rebstocks wurde früher wie auch die Ruten mit Weiden gebunden. Dies ist auch heute noch, da die Weide eine hohe mechanische Festigkeit besitzt noch weit verbreitet. Es sind jedoch auch andere Methoden im praktischen Einsatz, z.B. das Binden mit Gummischlauch.
Durch die große Anliegefläche des Gummischlauches soll ein einschneiden in den sich im laufe der Zeit verdickenden Rebstockes verhindert werden. Da das Gummi elastisch ist kann er mit der Rebe mitwachsen. Aufgrund der klimatischen Einflüsse wird das Gummi jedoch im Laufe der Zeit spröde und reißt schließlich ab. Hinsichtlich der Haltbarkeit soll sich ein "grüner" am Besten bewährt haben.
Eine weitere Methode ist auch das Binden mit schwarzen Plastikklammern, welche zu beiden Seiten des Stockes am Draht eingehängt werden.
Da der Plastik jedoch nicht dehnbar ist, kann er einwachsen, oder vom Rebstock "gesprengt" werden. Um dies zu verhindern muss er jährlich auf seine Festigkeit geprüft werden, was wiederum Arbeitsaufwand bedeutet.
In neuster Zeit wird eine weitere Methode erprobt, das Antackern.

Hierzu wird der Rebstock mit einer Klammer an den Draht getackert, welcher im laufe der Zeit in den Rebstock einwächst, und somit dem Rebstock sicheren Halt gibt. Die Befestigung ist mechanisch absolut fest. Da die Methode noch sehr jung ist liegen noch keine Langzeitstudien über nachteilige Entwicklungen für den Rebstock vor.
Ein nachträgliches entfernen des Drahtes ist ebenfalls nicht möglich, da er meist "bombenfest" mit dem Rebholz verwachsen ist.
Der Vorteil dieses Systems ist der entfallende Wartungsaufwand.

Ein Versuch hat ergeben, das bei älteren Rebstöcken ein Binden des Stockes gänzlich entfallen kann, da der Stock selbst eine innere Festigkeit besitzt, die ihn vor Schäden bewahrt und aufrecht stehen lässt.
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