Rebschnitt in Ertragsanlagen


Die natürlichen Lebensräume der Reben sind die Flussauen. Dort wächst sie im Halbschatten der Bäume auf, rankt sich an ihnen empor und legt sich über die Kronen um an das Sonnenlicht zu kommen, ähnlich den Lianengewächsen.

Dieser Lebenswandel bedingt besondere Eigenschaften der Pflanze. Sie muss wüchsig, von aufrechtem Wuchs und mit Kletterorganen ausgerüstet sein. Zudem muss sie mehrere Jahre überdauern können, also auch in gewissen grenzen frostbeständig sein. Sie muss auch mit wenig nährstoffreichen Böden auskommen können.
Unsere Weinreben haben alle diese Eigenschaften. Die Anlagen überdauern unter Umständen zig Jahre (bei uns zwischen 20 und 30). Fröste bis -18°C können die Reben aushalten.
Die Wüchsigkeit und die Kletterorgane stellen allerdings ein Problem dar.

Reben bilden im Sommer beim Triebwachstum an den Ansätzen der Blätter Augen wie z.B. auch die Rosen.


Reben bilden im Sommer beim Triebwachstum an den Ansätzen der Blätter Augen wie z.B. auch die Rosen.

Auge im Frühjahr
Auge Rebe

In diesen Augen sind winzig klein die Anlagen für die Triebe des nächsten Jahres. Im Frühjahr knospen diese Augen und treiben neue Triebe, die wiederum Augen bilden usw. usw.

Würden wir Winzer hier nun nicht eingreifen hätten wir innerhalb kurzer Zeit einen Urwald an Weinreben, ein undurchdringliches Dickicht. Die Kletterorgane tun zu dieser "Verfilzung" noch ihr Übriges, indem diese Ranken die Triebe mit allem was ihnen in die Nähe kommt fixieren; sei es nun ein Draht, ein Pfosten, oder ein Nachbartrieb, ganz egal.
Schon 2 Jahre ohne intensive Pflege reichen aus, damit die Anlage irreparabel geschädigt ist. Es gibt kein Durchkommen mehr. Man spricht in diesem Fall von einer Drische. Einzig die Raupe und ein Streichholz können in diesen Fällen noch die Ordnung wiederherstellen.

Da jeder Trieb ja wiederum viele neue Triebe tragen kann und diese neuen Triebe wiederum Trauben und eben wieder viele Triebe, würde auch der Traubenertrag exorbitant in die Höhe schnellen.
Wie sie sicher schon gehört haben nimmt jedoch die Qualität des Weines mit zunehmendem Ertrag ab. Dies resultiert aus der begrenzten besonnbaren Blattfläche und der Verteilung der in den Blättern gebildeten Zucker und Aromastoffe auf die Menge an Trauben.

Zusätzlich verhindert das dichte "Buschwerk" auch noch eine effektive Belüftung der Trauben, sodass diese nach Regenfällen nur noch sehr langsam abtrocknen können und somit eine erhöhte Gefahr der Schimmelbildung auf den Trauben besteht.

Sie sehen, es gibt viele Gründe diesem Treiben einhalt zu gebieten.

Wir Winzer tun dies, indem wir im Spät- und Frühjahr die Reben zurückschneiden. In der Regel findet dieser Arbeitsgang von Dezember bis Ende Februar statt. Zurzeit ist diese Arbeit noch voll vom Können des Winzers abhängig. Es wurden auch schon Maschinen konstruiert und erprobt, die diesen Arbeitsgang mechanisch erledigen sollten, doch haben sich diese wegen der doch erheblichen unabdingbaren Nacharbeit und auch nicht "rebangepassten" Behandlung bislang nicht durchsetzen können.

Diese Arbeit wird daher voll manuell durchgeführt.


Chefsache Rebschnitt, hier in einer Altanlage
<strong>Rebschnitt</strong> Winter

Nur zum Verständnis. Es stehen bei uns in der Pfalz im Schnitt zwischen 4000 und 4500 Reben je Hektar. Jede Rebe hat mindestens eine Bogrebe mit 8-15 verholzten trieben.
Jede Bogrebe wird auf die Länge bis zum ersten gesunden Trieb geschnitten, der alte Bogen nochmals mindestens einmal zusätzlich, die so entstandene neue Bogrebe wird je nach Rebsorte/Produktionsziel/Rebe/Erziehungsform abgelängt, die verholzten Ranken werden gekappt und das restliche Holz wird aus dem Drahtspalier entfernt.
Dabei muss man stets auf Jahre hinaus vorausschauend planen, wie diese jeweilige Rebe künftig aussehen soll.
Steht die neue Bogrebe über die Zielhöhe des Rebstammes hinaus ist dafür zu sorgen, dass tiefer am Stamm aus den seitlich treibenden wilden Trieben ein Zapfen gebildet wird, damit im kommenden Jahr der Stamm entsprechend eingekürzt werden kann und somit seine Form behält.
Dieser Zapfen sollte aus wildem, einjährigem Holz (also ein Trieb des vergangenen Sommers) sein und auf altem (älter 2 Jahre) Holz stehen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt tragen die aus dem Zapfen treibenden Triebe keine oder nur wenige Trauben. Zudem sollte er nicht länger als ein bis zwei Augen sein. Dies verhindert, dass sich in Stammnähe Überschneidungen von Trauben oder Verdichtungen der Laubwand bilden. Solche Verdichtungen sind maßgeblich für die Entwicklungen von Krankheiten der Trauben (der kommenden Weinlese) verantwortlich.

Die Ziel-Formen der Reben differieren von Erziehungsform zu Erziehungsform, aber dies soll der Inhalt eines weiten InfoArtikel2s werden.

Mit dem Rebschnitt wird schon das Grundgerüst der Weinqualität des kommenden Jahrgangs vorgegeben. Allein durch die Länge der Bogrebe kann der Mengenertrag um 10-20% nach oben oder unten voreingestellt werden.
Die Anpassung des Rebschnitts an den jeweiligen Rebstock verhindert Über- oder Unterbelastung des Rebstocks; beides ist gleichermaßen schlecht.
Ein fachgerechter Rebschnitt ist die Ausgangsbasis für hohe Trauben- und somit auch Weinqualitäten.


Weiterführende Informationen:
Die Rebe (Aufbau, Lebensraum, Organe)
Weingut Hörner
Edesheimer Weg 14
D-76879 Hochstadt
Germany
Tel: +49 6347 9391276