FB Pixel

Flotation


( 09 / 2002 )

In diesem Jahr spielte die Mostvorklärung wie im Jahrgang 2000 wieder eine Zentrale Rolle in unserer Weinlese. Nun ist das Vorklären durch Sedimentation, man wartet bis der Trub von alleine an den Boden des Fasses sinkt, eine recht zeitraubende und vor allem eine sehr verlustreiche Variante der Vorklärung. Der Trub hat einen erheblichen Mostanteil (ca. 50%).

In den letzten 2 Jahren etablierte sich die Flotation zur Mostklärung.
Das Prinzip ist einfach.Man vermenge Most mit hochbloomiger Gelatine, gebe unter Druck Pressluft oder Stickstoff hinzu, welche sich unter Druck im Most löst und entspanne den Most anschließend.
Das gelöste Gas perlt wieder aus, schäumt die Gelatine, welche sich an die Trubteilchen haftet dadurch auf, die Trubteilchen schwimmen auf und der klare Most kann dann unten am Faß abgezogen werden.



Für diesen Arbeitsgang gibt es auch schon recht ausgereifte fertige Maschinen auf dem Markt, die den Vorgang im Durchfluss in fast jeder beliebigen Durchsatzmenge vollziehen, doch kostet z.B. ein solcher Apparat, mit einer Stundenleistung von 5000 Litern, rund €6000,-.

Da wir dieses Verfahren bisher in unserer Weinbereitung noch nicht anwendeten erschien uns die Anschaffung für den Versuch etwas zu kostspielig. Was wenn das Verfahren für uns nicht taugt ? Dann haben wir ein schweineteures Spielzeug rum stehen.

Aus diesem Grund entschloss ich mich, als technisch versierter Mensch die Flotation versuchsweise mit vorhandenen Mitteln zu probieren.

Zu diesem Zweck ersteigerte ich im Internet 4 Schlauchpumpen, Förderleistung 100ml in 1,40 Minuten. Dann habe ich unseren vorhandenen Kieselgurfilter zweckentfremdet. Die Leitung zwischen Förderpumpe und Kessel war schnell demontiert, mit Edelstahlspiralen als Drallkörper und mit einem Hahn zur Druckentspannung versehen.

Zwischen das Fass und den Kieselgurfilter schaltete ich eine Impellerpumpe, welche den Druck auf 2 Bar vorförderte. In den Zulauf zum Kieselgurfilter düste ich mit der Pressluft die Gelatine aus den Schlauchpumpen ein. Die Förderpumpe des Kieselgurfilters erhöhte den Druck nochmals auf ca. 4,5 Bar. Klar, am Anfang gab es ein paar kleine Problemchen in der Abstimmung zwischen Luftmenge, Gelatinemenge und Förderleistung, doch wurden diese Probleme alle per Feineinstimmung gelöst.

Am Ende hatte ich also eine richtige funktionierende Flotationsanlage mit ca. 2000L Stundenleistung für ca. € 300,- inklusive diverser Kleinteile.


Wie man in den Bildern sieht kann sich das Ergebnis doch sehen lassen.



Der Most im Schauglas lief so klar, das das durchscheinende Licht der Handlampe den Photo überbelichtete.

Der Klärgrad der Moste ist so hoch, dass fast keine stürmische Gärung möglich ist und wenn, dann muss nur leicht per Kühlschlange gebremst werden um die Moste auf einem schönen Temperaturniveau von 15-17°C zu halten.

Der erste Most, der auf diese Weise vergor war ein Müller-Thurgau.



Wie man an der Gärkurve schön erkennen kann ging die Fermentation sehr ruhig von statten und ich kann sagen man schmeckt auch durchaus einen sehr positiven Unterschied gegenüber den bisherigen.
In der Nase entfaltet sich die volle Pracht der Rivaner Blume und diese setzt sich auch aromatisch im Geschmack fort. Maracuja, etwas Zitrus und tropische Früchte prägen das Aroma dieses Weines. Das Projekt wir wohl wahrscheinlich fortgesetzt.

Na denn, zum Wohle !!!!!!!!